Angst und Regression in der Zeit des Coronavirus
Peter Dott
Abstract
Der Artikel startet vor dem Hintergrund der Krebserkrankung, der einbrechenden Todessangst und der jahrelang währenden Krankheitsverarbeitung des Autors. Der Einbruch der Pandemie wird wie eine Traumatisierung betrachtet. Todesangst wird als Angst vor Ich-Verlust verstanden, was immer mit Angst vor Objektverlust und dem Erleben von Hilflosigkeit verbunden ist. Konkret besteht die Bedrohung zunächst durch ein unbekanntes Virus, das vor allem für Risikogruppen tödlich sein kann. Die einsetzende Angst wird durch Ausgangsbeschränkungen eingedämmt. Gleichzeitig erweitern oder potenzieren die damit verbundenen Behinderungen und Verluste die Ängste. Ziel ist es, ein Verständnis für die durch die Ängste ausgelöste Regression zu erlangen. Daneben wird die Hypothese einer gesellschaftlich diskutierten und politisch befeuerten »heroischen« Abwehrfantasie als Bagatellisierung der zugrundeliegenden Bedrohung aufgestellt. Vor allem die haltende Beziehung und die Fähigkeit, alleine zu sein, werden als Möglichkeiten zur Begrenzung der Regression dargestellt.