Erfahrungen der Stakeholder mit den Modellvorhaben nach § 64b SGB V in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie – eine qualitative Studie
Julian Schwarz, Annette Duve, Sabine Hoffmann, Philip Heiser, Guillermo Ruiz‐Pérez, Martin Heinze, Sebastian von Peter
Abstract
Zusammenfassung. Hintergrund und Fragestellung: Seit 2013 sind in Deutschland die Möglichkeiten für eine integrative Behandlungsform gemäß § 64b SGB (Sozialgesetzbuch) V erweitert worden. Diese sogenannte psychiatrische Modellversorgung (MV) ist in den letzten Jahren sowohl an einzelnen Kliniken der Erwachsenen- als auch der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie (KJPP) eingeführt worden. Ziel der MV ist es, eine ambulante, individualisierte und kontinuierliche Behandlung anzubieten. In der vorliegenden Arbeit werden die Erfahrungen der Stakeholder mit dieser innovativen Behandlungsform untersucht. Methodik: An zwei kinder- und jugendpsychiatrischen Kliniken der MV wurden Fokusgruppen durchgeführt, an denen Mitarbeitende, Patientinnen und Patienten sowie Eltern (N = 36) teilnahmen. Es folgte eine qualitativ-inhaltsanalytische Auswertung. Ergebnisse: Aus Sicht aller Akteurinnen und Akteure bildet die ambulante Akut Behandlung (AAB) einen zentralen Modellbestandteil, die eine Behandlung von Patientinnen und Patienten mit akuten Beschwerden im Vorfeld, als Ersatz oder im Nachgang einer (teil)stationären Behandlung ermöglicht. Die Flexibilisierung der Behandlung und eine größere Behandlungs- und Behandlerkontinuität wurden als weitere Vorteile der MV genannt. Schließlich gelingt der Einbezug von Sorgeberechtigten im Rahmen der MV leichter, was für diese Akteursgruppe auch einige Herausforderungen mit sich bringt. Schlussfolgerungen: Die Einführung psychiatrischer MV in der KJPP hat komplexe Auswirkungen auf die Behandlungsabläufe und das Erleben aller beteiligten Akteurinnen und Akteure und wird von diesen als bedürfnisorientierte Ausweitung therapeutischer Unterstützungsmöglichkeiten erlebt.