Valerius Flaccus: Argonautica
Rudolf Rieks, Peter Alois Kuhlmann
Abstract
Das unvollendete epische Gedicht wurde kurz nach 70 n. Chr. begonnen. Der Sagenstoff von den Halbgöttern, die auf dem ersten Schiff, der „Argo“, als Sendboten der Zivilisation und menschlicher Gesittung in chaotisch-dunkle, barbarische Weltgegenden vorstoßen (die Gewinnung des Goldenen Vlieses ist bei Valerius nur äußere Motivation), ist uns erstmals in einer relativ späten Gestaltung, den Argonautika, 250 v. Chr. (Das Argonautenepos, 1996), des Griechen Apollonios Rhodios, erhalten. Seine vier umfangreichen Bücher hat Publius Terentius Varro Atacinus (geb. 82 v. Chr.) um 50 v. Chr. in lateinischer Sprache kunstvoll nachgedichtet. Dieses Werk wird Valerius Flaccus zwar im Einzelnen ständig zu Rat gezogen haben, doch folgte er im Gesamtentwurf nach Stoff und Komposition durchaus dem griechischen Dichter. Die Anlehnung an Apollonios ist kaum sklavisch: Manches führt der Römer selbständig weiter, anderes unterdrückt er, aber er entwirft auch mit gutem Verständnis für die epische Tradition ganz neue Züge. In Stil, Aufbau, Sprache und Metrik weiß er sich besonders Vergil und Ovid verpflichtet.