Gesundheitsbewusstsein und Gesundheitskompetenz von Menschen mit Behinderung
Katharina Rathmann, L Zelfl, Anna Kleine, Kevin Dadaczynski
Abstract
Zusammenfassung Hintergrund Menschen mit Behinderung zählen zu Bevölkerungsgruppen in vulnerabler Lebenslage und wurden in der Forschung zum Gesundheitsbewusstsein und zur Gesundheitskompetenz bisher selten berücksichtigt. Ziel der Studie ist es daher, das Gesundheitsbewusstsein und die Gesundheitskompetenz von Menschen mit Behinderung in Einrichtungen der Eingliederungshilfe in Deutschland erstmals durch Selbstbeurteilung mithilfe eines Fragebogens in Leichter Sprache zu erfassen. Material und Methoden Das Datenmaterial wurde in 19 Einrichtungen der Eingliederungs- und Behindertenhilfe bei Menschen mit Lernschwierigkeiten, psychischer, chronischer sowie körperlicher Behinderung in Deutschland erhoben ( N = 351). Das Gesundheitsbewusstsein und die Gesundheitskompetenz wurden mittels Fragebogen in Leichter Sprache erfasst. Uni- und bivariate Analysen wurden durchgeführt. Ergebnisse Ein niedriges Gesundheitsbewusstsein geben 38,9 % der Befragten, insbesondere in der Dimension Eigenverantwortung und Achtsamkeit, an. Hinsichtlich der Gesundheitskompetenz berichten knapp 64,0 % Schwierigkeiten im Umgang mit gesundheitsbezogenen Informationen, wobei der prozentuale Anteil in den Dimensionen Prävention und Krankheitsbewältigung der Gesundheitskompetenz am höchsten ausfällt. Befragte mit einem niedrigen Gesundheitsbewusstsein geben häufiger Schwierigkeiten im Umgang mit Gesundheitsinformationen an. Schlussfolgerung Die Studie verdeutlicht einen Bedarf zur Förderung des Gesundheitsbewusstseins und der Gesundheitskompetenz im Setting der Eingliederungs- und Behindertenhilfe. Maßnahmen zur Stärkung des Gesundheitsbewusstseins und der Gesundheitskompetenz sollten zielgruppenspezifisch und unter Beteiligung der Bedarfsgruppen (z. B. partizipative Entwicklung von Informationsmaterialien zu gesundheitsbezogenen Themen) erfolgen.